12 February 2017

WER WAR IZI?

Es ist schwer über Ihn zu schreiben ‘er war’, weil wir meist im Futur gesprochen haben – wir werden dies oder das machen, wir werden dort hinfahren etc. Und plötzlich sind all diese Pläne nicht mehr aktuell – einfach so. Auf einer gerade Strasse, trocken, mit Asphalt, bei 60 km/h aufgrund eines geplatzten Reifenschlauches!

Unmöglich? Ich habe es gesehen – es ist möglich. So eine Situation passiert uns nicht? Vielleicht lesen wir darüber im Internet oder hören es beim Stammtischen oder einem Motorradtreffen. Klar, das betrifft vielleicht Freunde oder Bekannte, aber nicht uns. Ich sage, uns kann es auch passieren. Es passierte auch IZI, sehr weit von Zuhause – in Tadschikistan, aber es könnte jeden von uns überall treffen. Wir sind an diesem Tag aus Afghanistan ausgereist und wir fühlten uns sehr erleichtert. Alle Probleme lagen hinter uns, 3 Tage bis Kirgisien, 10 Tage bis nach Hause, insgesamt 7000 km. Alles locker, alles easy.

Die Beerdigung – wenn man das überhaupt über ein Begräbniss sagen kann – war wunderschön. Robert’s Mutter Wanda hat gesagt, dass sie an diesem Tag begriffen hat, was die Motorräder für Robert bedeuteten. “Ich habe verstanden, das mein Sohn noch eine Familie gehabt hat, nämlich eine Motorradfamilie” – sagte sie. Dieser Tod schmerzt viele, die Robert kennengelernt haben, und viele davon haben in Ihm einen Bruder verloren. Auf seinem letzten Weg waren hunderte seiner Freunde dabei.

Eine Pannonia in der Garage in Czernica, Ifa, Iz, auch ein Junak haben auf eine Instandsetzung gewartet. Und natürlich die Africa Twins, eine in Klodzko (Glatz), eine ständig in Kirgisien, und ein paar in der Werkstatt. Er hatte einen guten Ruf, in seiner Garage bei Breslau standen Africa Twins aus ganz Polen. Er kannt das Motorrad von A bis Z, und beim Zusammenbau des Motors hätte er sich das Licht sparen können. Keiner hat je wirklich gewusst, seit wann er seine Twin hatte – der Fahrzeugschein ist im Pamir den Fluss hinuntergeschwommen. Sein schwarzes Kennzeichen WOM3399 (bis 1999 in Polen ausgegeben) zeigte, dass es eine sehr lange Liebe war.

Er mochte neue Motorräder nicht. Einspritzung, ABS, Elektronik das war nicht sein Ding, das war keine Herausforderung für Ihn. Er wollte an Schrauben am Vergasser drehen, auch GPS war Ihm fremd – da wo er fuhr, war das nicht notwendig. Die Entfernungen hat er in Fahrstunden gemessen, nicht in Kilometern. Das Geld für sein Abenteuer war fast nur für das Benzin abgezählt. Wenn schon ein Hotel, dann nur mit 1000 Sternen. Bei unserer gemeinsamen Fahrt haben wir über einen Monat das Zelt gar nicht aufgebaut, obwohl der tadschikische Vodka manchmal morgens gefroren war. Es zählte Charakter, Härte, Überlebenswille und natürlich Spass. Es lag darin bestimmt eine Dosis von Widerspenstigkeit und ein Beweis für Andere oder auch für sich selbst.

Nein, er war kein Vorbild ohne jede Rücksicht – oh nein. Aber wenn ich ein Symbol für Enduro, Survival und Abenteuer benennen sollte – ich würde sagen, das war IZI. Sein Spitzname kam durch seine Begabungen, seine Intuition und seine Lebenseinstellung. Für IZI alles war easy: Motorzerlegung, GAW-Wechsel, Kupplungswechsel – alles easy.

Wir waren seit langem befreundet, sind aber nie zusammen gefahren. Er war auf seiner Twin in Sibirien, im Ural, oder in Kamtschatka unterwegs. Ich war lieber im Tian Schan oder im Pamir Gebirge unterwegs. Wir haben uns in Polen getroffen, sind kurz nach Österreich gefahren, aber wir haben beide gefühlt, dass wir beide ein großes Abenteuer erleben werden. Die Gelegenheit dazu kam im letzten Jahr.

“Würdest Du mit mir nach Afghanistan fahren?”

Es hat keine 2 Minuten gedauert, Ihn zu überzeugen. Das Motorrad packen später – ein paar Minuten mehr. Es war keine große Entfernung – es war keine Weltreise, nur ein Monat. Ein Topcase, ein Tankrucksack, das reichte. IZI hat unterwegs alles repariert – Motorräder, Land Cruiser, Stromaggregate – alles was kaputt war, alles war easy.

Er hat Leute im Bruchteil von Sekunden kennengelernt, selbst Sprachunterschiede waren kein großes Problem. Er brauchte 5 Minuten für eine Bekanntschaft, egal ob es ein deutscher Motorradfahrer, ein ukrainischer Milizionär oder ein usbekischer Zollbeamter war. Es gab einfach keine Ausnahmen. Ich weiss nicht wie es kam und ich kann es nicht erklären. Vielleicht lag es an seinem Lächeln oder seiner Gestik. Es ist kaum möglich dieses Phänomen zu beschreiben. Alle haben ihn sofort gemocht. Ich kannte ihn sehr gut, aber auch ich kenne diese Antwort nicht.

Hat er Benzin in Blut gehabt? Ja klar, wie sehr viele von uns es haben, aber seines hatte einfach mehr Oktan. Er hat sehr viel Mitgefühl gehabt. Einmal hat er eine Spende für einen 17 jährigen, läukemiekranken Jungen im Forum organisiert. Der Junge hatte den Traum, ein echtes Motocrossoutfit zu haben. IZI hat ihm diesen Traum erfüllt. In diesem Jahr haben wir nach Afghanistan Spielsachen und Schuluntensilien für Kinder mitgenommen. IZI machte diese Aktionen spontan und hat gleich noch andere Leuten dafür begeistert.

Im Jahr 2010 sind wir beide als advfactory.com nach Afghanistan gefahren – eine Abenteuer mit Motorradtouristen. Uwe erinnert sich: “Obwohl ich Robert nur paar Wochen kannte, habe ich Ihn sofort sehr gemocht. Sein ruhiger und spezieller Charakter, seine Hilfsbereitschaft und die Art und Weise zur Lösung verschiedenster Probleme, immer mit einem Lächeln. All dies bleibt für mich unvergesslich.”

IZI war 38 Jahre alt. Er war Motorradfahrer für immer, bis zum 26 Juli 2010. Er ist am Kilometer 130 auf dem Weg Khorog – Ishkashim – Langar, einer der schönsten Strassen die er je gefahren ist, verunglückt. Speichert bitte in euren GPS-Geräten die Koordinaten N36 40.635 E71 44.379 und bezeichnet den Punkt mit “IZI”, so dass Ihr dort eine Kerze für ihn aufstellen könnt. IZI würde Euch gerne alle dort treffen.
Sambor